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Bericht von Anastasia

Monatsreport Dez. - Jan. Kilifi

Die Zeit hier vergeht echt rasend schnell!! Das denkt man gar nicht, aber wenn man zurück blickt, denkt man, es ist erst eine Woche her, wo man gelandet ist, wenn überhaupt, obwohl ich schon viel länger hier bin und auch schon sehr bald wieder nach Hause fliegen muss.

Vor ca. 3 1/2 Wochen kam der kleine Leon zu uns, der auch eine sehr traurige und üble Vergangenheit hinter sich hat, wo sich manch einer wundert, dass ein Baby mit solch einer Vergangenheit überhaupt noch am Leben ist!

Eines Samstags abends gegen 17 Uhr kam ein älterer Mann vom Kindersozialamt zu uns und erzählte uns die dramatische Geschichte von Leon, unserem kleinen Neuzukömmling. Er ist gerade mal 1 ½ Jahre alt und sein Vater hat vor ungefähr zwei Monaten seine Mutter brutal erschlagen. Nun war er in der Zwischenzeit mit seinem kleinen Sohn Leon auf der Flucht. Man geht davon aus, dass seine Mutter noch sehr jung war und das bedeutet hier, 14-16 Jahre. Das Pärchen war auch noch nicht verheiratet.
Allerdings war das noch nicht alles, was Leon erleben musste, denn es kommt noch schlimmer: Der Aberglaube hier in Kenia lautet: “Wenn du Sex mit einem Baby hast, dann bekommt man kein Aids!“ Genau das musste Leon in seinem jungen Babyalter auch durchmachen. Er wurde immer und immer wieder von seinem Vater vergewaltigt und für mich grenzt es fast an einem Wunder, dass der kleine noch lebt! Normalerweise müsste bei ihm alles kaputt und gerissen sein. Er hatte Glück, denn er war wohl, nachdem man seinen Vater geschnappt hatte ein paar Tage hier im Hospital zum Untersuchen und wie es scheint haben die auch nichts weiter an ihm gefunden, also es war alles in Ordnung. Wir (Petra, Tasi) gehen ja auch davon aus, dass die Mutter während des Aktes dazwischen gehen wollte und der Vater (wenn man ihn soweit Vater nennen kann!!) sie wohl dabei erschlagen hat.
Nachdem der Vater dann fest genommen wurde und Leon im Krankenhaus auch schon durch gecheckt worden war, hat er ja auch noch drei Tage in einer Zelle der Polizeistation sitzen müssen, weil keiner wusste, wohin mit ihm, denn seine Mutter war ja nun tot und der tolle Vater saß ja dann im Gefängnis, zu Recht.
Das war also dass, was der Mann vom Sozialamt erzählt hatte und ob wir Leon nicht für zwei Wochen bei uns unterbringen könnten, solange bis er eine andere Bleibe für ihn gefunden hat, da er ja auch wusste, dass wir „eigentlich“ ziemlich voll sind. Naja, Petra und Irene haben natürlich nicht lange gezögert und wenn wir ihn her nehmen, dann nicht für zwei Wochen, sondern für immer. Denn nach den zwei Wochen hätte Leon nicht mehr gehen wollen und wir hätten ihn wahrscheinlich auch nur ungern mit Tränen wieder hergegeben.
Also haben sich Irene und Petra gleich auf den Weg zur Polizeistation gemacht und den keinen Sprössling abgeholt. Er ist ihnen sofort mit offenen Armen und einem dicken Grinsen im Gesicht in die Arme gesprungen und hat auch absolut überhaupt gar nicht geweint. Allerdings kam dann das nächste Problem, denn alles was Leon anhatte und besaß war eine dünne Short und sonst gar nichts. So mussten sie noch was zum Anziehen, Pampers und ein Paar Schuhe kaufen, nur wo bekommt man in der Eile- es war nämlich schon bald sechs Uhr und die Läden am schließen, dazu ohne Geld, dass sie auch zu Hause liegen lassen haben, weil es ja nun alles schnell schnell gehen musste, noch etwas zum Anziehen und Schuhe her?!! George, der „Tuck-Tuck“-driver und zugleich Irenes bester Freund mit dem die Beiden unterwegs waren, hat sofort am Sekond-Hand-Shop angehalten und ohne zu zögern seinen ganzen Geldbeutel hingegeben. Das würde hier natürlich absolut nicht jeder machen. So konnten wenigstens ein Paar Schuhe, Unterhosen und T-Shirts gekauft werden.
Zu Haue ging dann das Gekämpfe mit der Kleidung schon los, er wollte sich nämlich gar nicht anziehen lassen, weil er es wohl gewohnt war, immer ohne Kleidung rum zu springen. Irgendwann hat er es allerdings aufgegeben und sich doch anziehen lassen.
Heute klappt das an- und ausziehen ganz gut nur zum Pipi machen entkleidet er sich immer noch gerne ganz oder zumindest bis auf die Unterhose, das liebt er.
Er ist ein ganz schöner Dickkopf und das Wort „nein“ versteht er auch noch nicht, er denkt, alles was er sieht gehört nur ihm. Aber das bekommen wir auch noch hin. Sein neues Bett ist nun auch gekommen, was ein ganz tolles Design hat, mit Gitter zum aufmachen und Schubladen unterm Bett, also ganz toll und Leon war auch total hin und weg. Davor hat er ja immer mit den Mamas zusammen geschlafen. Ja, das war so der Anfang mit Leon, mal gucken wie er sich so macht und wie es weiter geht. Bis jetzt hat er sich wunderbar hier eingelebt.


Sylvester: 2006/2007

Zuerst einmal an alle, die diesen Bericht lesen ein ganz gesundes und erfolgreiches neues Jahr!!!!

Sylvester, dachten wir am Anfang, fällt nun ganz in den Keller, weil an dem Tag etwas ganz schreckliches passiert ist.
Der Nachmittag ging los, dass Irene mit ihren Schwestern von zu Hause ins Waisenhaus kam und ganz bitterlich geweint hatte. Das Blöde war allerdings, dass gerade niemand Zeit hatte sie fragen, was mit ihr los ist, weil wir gerade Italiener zu Besuch hatten, um die wir uns kümmern mussten. Als die weg waren, haben wir uns erstmal Irene gewidmet und sie erzählte uns, dass eine der größeren Schwestern, Lilien (22 Jahre) ganz komische Krampfanfälle zu Hause hatte und das nicht nur einmal, sondern immer öfter und öfter. Petra hatte sofort einen Verdacht als ehemalige Krankenschwester, nämlich einen Schlaganfall. Sie gab Lilien sofort zwei Aspirin und bestellte ein Taxi, dass auch sehr flott hier war. Mama Grace, Irene und Lilien haben sich sofort auf den Weg gemacht.

Nach einer Stunde kamen sie wieder und Irene erzählte uns, dass das Gouvernement und District Hospital hier in Kilifi zu hat und sie nur zu einem Arzt gefahren sind, der Lilien ein Beruhigungsmittel gespritzt hatte. Das Problem war allerdings, dass Lilien auf dem Weg zum Arzt noch so einen Anfall im Auto hatte und Irene dann noch mehr weinte, inklusive den großen Mädchen und mir, da wir ja doch schon verstanden haben, dass es was schlimmeres sein musste. Die kleinen Kinder hat das ganze nicht sooo sehr interessiert und die haben es auch nicht wirklich mitbekommen. Irene weinte immer mehr und mehr, weil keiner wusste, was los ist, da der Arzt erstmal nur Malaria ausgeschlossen hatte, was aber Schwachsinn war, denn dafür sind die Symptome ja ganz anders, außerdem wusste Irene, dass sie gar nicht das Geld für ein ordentliches Krankenhaus in Mombasa hat, um sie richtig untersuchen zu lassen. Helmut hat absolut nicht lange gezögert, ihr 40.000 Ksh gegeben, denn was ist schon Geld gegen ein Menschenleben und Helmut sagte auch, dass er sich es nie verzeihen könnte, wenn es schlimmer kommen würde und er ihr das Geld für das Krankenhaus nicht gegeben hätte. Es wurde also gleich ein neues Taxi bestellt, dass Irene mit ihrer Schwester umgehend nach Mombasa in ein gutes Krankenhaus fahren konnte. Gegen halb sieben sind dann Mama Grace, Irene, Lilien und diesmal auch Irenes bester Freund George, der „Tuck-Tuck“-driver, der ihr immer zur Seite steht, los nach Mombasa gefahren.

Die Stimmung für Sylvester war dann natürlich erstmal ganz im Boden, aber wir haben versucht, das Beste daraus zu machen.

Gegen acht Uhr gab es dann Würstchen, mit Reis und Gemüse (sehr fein!!), Fruchtsalat, Bier und eine ganze menge verschiedene Sodas (Fanta) für die Kinder. Eigentlich sollte es auch noch Chicken geben aber 1. war es an diesem Tag irgendwie unmöglich irgendwo Chicken herzubekommen und 2. war es sowieso besser, dass es keine Hühnchen gab, denn das wäre bei der ganzen Sorge um Lilien eh nichts geworden.
Die Kinder haben dann ganz schön getanzt und gesungen und sich ihre eigene Lieblingsmusik aufgelegt. Es ist doch noch ganz nett geworden, bis dann gegen zehn Uhr Irene wieder angerufen hatte und immer noch ganz fürchterlich am Telefon geweint hatte. Sie sagte, dass alle erstmal über Nacht im Krankenhaus bleiben, da morgen bestimmte Untersuchungen bei ihrer Schwester durchgeführt werden und an diesem Abend eben nur der Blutdruck gemessen wurde.

Ja, um zwölf Uhr gab es dann auch ein kleines Feuerwerk und jeder hat jedem ein „Happy neu year“ gewünscht. Gegen ein Uhr sind dann die Kinder von Petra ins Bett geschickt worden, obwohl sie natürlich alle noch ein bisschen länger aufgeblieben wären, sogar unsere Kleinen.
Naja, am nächsten Tag hat man dann auch gesehen, wie fertig alle waren und es war ganz gut, dass die Kids schon um ein Uhr ins Bett gegangen sind, denn alle sind den ganzen Tag überall zu dritt oder zu viert ums ganze Grundstück herum und im Haus auf dem Boden gelegen. Sie waren alle so geschafft, vom Vorabend, dass manche es vor lauter Schlaf gar nicht mehr fertig gebracht haben, ihr Mittagessen zu sich zu nehmen.

Im Moment ist alles in Ordnung hier, Leon hat seine Würmer, die er am Anfang im Fuß hatte auch gut überstanden. Jetzt plagen ihn nur noch ein paar Eiterbeulen, die hier aber ganz normal sind und jede Woche mindestens ein Kind erwischt. Woher die kommen ist allerdings unklar, Petra geht davon aus, dass sie von der prallen Sonne oder eben einfach nur vom dreckigen Sand, in dem sie den ganzen Tag spielen kommen. Ist aber anscheinend nicht weiter schlimm und gucken einfach aus wie etwas über reife Pickel. Tut den Kindern halt nur verdammt weh, wenn man hin kommt oder wenn Mama Grace, die bei diesen Beulen ja gar nicht widerstehen kann, hin geht und sie ausdrückt.

Lilien ist am Dienstag, zwei Tage nach Sylvester wieder aus dem Krankenhaus gekommen und es geht ihr jetzt viel besser. Die Ärzte haben eine leichte Epilepsie festgestellt und ihr Tabletten mitgegeben. Nach einem Monat muss sie noch mal zur Nachuntersuchung. Hoffen wir doch alle mal, dass diese Diagnose auch stimmt.

Also noch mal ein Happy New Year an alle!!!! Bis zu unserem nächsten Bericht.

 

Report von Januar 2007

Ziemlich am Anfang vom Januar ist in Kenia das Rift-Valley-Fieber ausgebrochen, das hieß für uns alle hier im Waisenhaus das es von nun ab keine Milch und kein Fleisch mehr gibt, denn es sind in Kilifi schon vier Menschen daran gestorben. Wen dieses Fieber erwischt hat, der kann davon ausgehen, dass er bald sterben wird, weil man keine Chance dagegen hat, es tötet sehr schnell!

Am 8. Januar ging die Schule wieder los und die Kinder waren die letzten zwei Tage damit beschäftigt, ihre Schuluniformen zu bügeln und die Schuhe zu putzen.
Dann sollte es also am Montag los gehen! Esther und Mary mussten einen Einschulungstest machen, um in die erste Klasse der Schule gehen zu können. Mary hat diesen Test leider nicht bestanden und muss in die dritte und letzte Klasse im Kindergarten gehen. Sie war etwas traurig.
Esther hat sich seit dem etwas geändert, sie ist hilfsbereiter geworden und macht auch nicht mehr so oft ins Bett.
Seit die Kinder wieder in die Schule gehen, ist es ziemlich ruhig hier geworden und der Einzigste mit dem ich mich tagsüber beschäftigen kann, ist Leon. Es ist Wahnsinn, wie Leon und ich uns verständigen können, obwohl ich mit ihm Deutsch und Englisch spreche und er mit mir Kiswahili und ganz gebrochen Englisch. Wir wissen aber trotzdem immer, was wir voneinander wollen. Der Kleine ist echt süß.
Einen Tag nach Schulbeginn hat Esther abends auch schon das erste Mal beim Waschen die Schuluniformen verfärbt, weil sie ein rotes Teil von sich mit in die Maschine gesteckt hat. Die Kinder hatten aber Glück, da die Sachen noch nass waren und frisch aus der Maschine kamen, hat Petra es Gott sei Dank noch geschafft, die Uniformen zu entfärben.
Mitte Januar haben wir einen neuen Askari bekommen, dessen Name David ist. Julius war nicht gut genug, er konnte so gut wie kein Englisch, was aber noch nicht am schlimmsten war. Immer wenn er abends gekommen ist, sah er schon todmüde aus und hatte knallrote Augen, wahrscheinlich weil er tagsüber auch noch gearbeitet hat und das geht eben nicht. Jedenfalls den einen Abend hatte ich dann Freitags im Waisenhaus geschlafen und die Mamas und ich sind noch bis ca. zehn Uhr draußen sitzen geblieben um Tee zu trinken. Julius ist um kurz vor zehn schon immer wieder mal auf dem Stuhl weggeknickt. Wenn er schon so früh müde war, ist ja klar, dass er nachts nicht wach geblieben ist. Mama Betty hat uns dann hinterher auch bestätigt, dass er morgens immer geschlafen hatte, wenn sie aufgestanden ist. Sie hatte nur etwas Angst, es jemandem zu sagen. Außerdem hatte Julius ihr wohl auch immer verboten, abends Fernsehen zu gucken und das Licht an zu lassen, weil er sonst nicht arbeiten könne! Als ob ein Askari nachts so viel zu tun hätte! Aber er wollte eben früh schlafen und das unbemerkbar machen. Unser neuer Askari ist gut, er ist Volleyballer, kann Englisch sprechen, schaut abends wenigstens mal bei den Hühnern rein und räumt auch noch ein bisschen auf, wenn er etwas findet. Außerdem ist er groß und ich glaube er kann die Kinder besser verteidigen, wenn ein Einbrecher kommen sollte. Julius wäre da bei einem Schlag am Boden gelegen und hätte nichts mehr machen können.
Den einen Abend hat Petra den Kindern erzählt, dass wenn sie ihre neuen Nachthemden nicht bald anziehen, dann ruft sie Santa Claus an und fragt ihn was sie damit machen soll. Am nächsten Abend war es dann soweit, die Kinder hatten wieder alle angeblich keine Schlafanzüge, so hatte Petra dann Santa Claus “angerufen“ und der wiederum hat gesagt, wenn sie ihre Nachthemden und Schlafanzüge nicht brauchen, dann soll sie sie eben wieder mit bringen. Das hat sie den Kids dann auch gesagt und ALLE hatten an diesem Abend ihre neuen Schlafanzüge an. So konnte Petra dann auch noch gleich ein schönes Bild von allen Kindern in den neuen Nachthemden machen.

Kurz bevor Helmut und Petra geflogen sind, haben sie von Irenes Freund, der Maler ist, das Straßenschild von „Saidia kwa moyo“ vor der Türe noch einmal neu machen lassen, weil das andere echt ziemlich fertig war. Sieht super aus, nur am Anfang war ein kleiner Fehler drinnen, statt“ Hilfe mit Herz“, hatte er „Hilfe mit Here“ geschrieben. Hat er aber mittlerweile auch schon wieder ausgebessert. Sieht echt schön aus und ist gut lesbar.
An diesem Abend hatte Bahati dann noch die Geschichte von Schneewittchen und den sieben Zwergen vorgelesen bevor sie ins Bett sind und hat auch für die Kleinen, die noch nicht so gut Englisch können, alles schön in Kiswahili übersetzt. Bahati ist echt gut und sie ist auch in der Schule eine der Besten.
Am 14. Januar sind Helmut und Petra dann nach Hause geflogen und den Abend zuvor haben die Kinder noch ganz viele Lieder für die Beiden zum Abschied gesungen. Am 15. Januar haben wir Shukus Geburtstag gefeiert und sie hat einen neuen Koffer für ihre restlichen Klamotten geschenkt bekommen.
Den einen Tag habe ich versucht Leon beizubringen, wie man mit Wassermalfarben malt, aber verstanden hatte er es nicht. Ich hatte es ihm zwar immer wieder vorgeführt, aber er hat immer erst den Pinsel in die Farben getaucht, danach den Pinsel ins Wasser gesteckt und dann auf das Papier gemalt, was natürlich nichts geworden ist. Irgendwann habe ich ihm dann das Wasser weggenommen, weil er gar nicht mehr aufgehört hatte den Pinsel dort hinein zu tauchen und er sich dann auch schon angefangen hatte aufzulösen. Dann war er sauer und ich war auch schon sauer. Das war so ziemlich das einzigste Mal, wo wir richtig aneinander vorbei geredet hatten, weil keiner den anderen verstanden hatte und dann haben wir wohl beide die Nerven verloren. Er hatte angefangen zu schreien und ich habe angefangen aufzuräumen, weil es absolut keinen Sinn machte, ihm das weiter zu erklären.
Irene hatte mit allen ein Stafftreffen gemacht, weil sie am 18. Januar nach Nairobi fahren musste, wegen der NGO. Das Treffen war aber nur, dass alles gut geht, wenn sie nicht da ist und nicht weil es irgendwelche Probleme gab. Mir hatte sie den Managerposten überlassen, wenn man das so sagen darf, wobei die Tage aber nicht anders für mich aussahen. Am ersten Abend, als sie gefahren ist, hatten wir auch schon das erste Meeting mit den Kids, weil die Englischzeiten dann einfach absolut vergessen wurden und das geht nicht. Ich habe den Kindern erklärt, das Irene für einige Tage in Nairobi ist und dass das ohne sie alles klappen muss, auch mit Englisch sprechen. Ich bin hier alleine und kann auch mit niemandem Deutsch sprechen, denn wenn ich den ganzen Tag nur zu höre, was alle in Kiswahili sprechen und ich sowieso kein Wort verstehe, dann kann ich auch genauso gut nach Hause gehen, mich in mein Bett legen und dort relaxen. Das haben dann auch Gott sein Dank alle verstanden und eingesehen und sich gleich entschuldigt. Sie sagten, dass sie es ab morgen versuchen wollen einzuhalten.
Das Problem ist, ich bin hier alleine seitdem Laura abgereist ist und ich muss genauso den ganzen Tag Englisch sprechen, auch wenn das nicht immer leicht ist, aber nur so können die Kinder lernen, sich mit ihren Pateneltern zu verständigen und wir müssen uns ja auch irgendwie verständigen. Wobei man ja sagen muss, dass die Kinder schon sehr gut Englisch sprechen, bis auf die Kleinen wie Jimmy oder die neuen wie Kevin oder Leon.

Die Zeit als Irene in Nairobi war hatte dann auch sehr gut geklappt. Moses hat mir geholfen, die Abrechnungen nach den Einkäufen immer zu machen. Irene hat mir erklärt, wenn ich es soweit richtig verstanden habe, dass wenn sie die NGO Papiere ausgefüllt hat und alles erledigt ist, dann gehört „Saidia kwa moyo“ auch zu eins der größeren Vereine wie zum Beispiel UNICEF.

Da die Mamas immer die Kokosraspeln weg schmeißen oder den Hühnern geben, haben wir den einen Tag drei schöne Kokoskuchen und viele viele Plätzchen gebacken, mit Nutella, Kakao, Kokos, Zucker und eben alles, was in einen Kuchen gehört, denn Nutella lieben die Kinder und überhaupt Schokolade.
Die Plätzchen waren für Sonntag nach der Kirche, denn da gibt es zum Mittag immer nur Biskuites und Juice, da nicht genug Zeit ist, um richtig zu kochen.
Den einen Kuchen gab es dann noch am selben Abend, nach dem Abendessen und die anderen Beiden die gab es dann einen Tag später, am Samstag nach dem Mittagessen. Den Kindern hat das geschmeckt, selbst Santha, Dally und Fridah hat es geschmeckt, obwohl die keine Schokolade mögen.
Das heißt, dass ich noch einmal kräftig backen werde, bevor ich nach Hause fliege, denn meine Zeit ist ja auch bald abgelaufen.
Am Abend sind Bahati, Sundae, Fridah, Fadhilli, Mama Grace und ich zu Mama Grace´ Haus gegangen, weil ich mir das unbedingt mal angucken wollte. Die Kinder haben mich begleitet, weil ich alleine sonst nicht mehr zurück aus dem Busch gefunden hätte.
Das Haus sieht ziemlich fertig aus, aber sie ist gerade dabei, es Stück für Stück neu zu machen. Danach haben wir dann Willis Geburtstag gefeiert und er hatte sich riesig gefreut, als Jürgen ihn angerufen hatte. Er hatte eine Hose und ein T-Shirt von dem Geld was Jürgen ihm geschenkt hat, bekommen. Hat er auch gleich am nächsten Tag in die Kirche angezogen.
Am Montag kam Irene abends wieder und war ziemlich kaputt von den letzten Tagen in Nairobi aber sie sagte, dass Nairobi eine sehr schöne Stadt ist, vor allem sehr grün und nicht so heiß, weil dort genügend Wind ist. Nun muss sie in innerhalb von einer Woche alle Papiere ausfüllen, was ja noch in Ordnung ist, aber dann soll sie zur selben Zeit auch noch die Zeugnisse von Helmut und Petra überreichen, was unmöglich ist. Wie sie das nun macht weiß ich allerdings auch nicht.
Freitags habe ich bei Tina K. Im Bett geschlafen weil sie mich ganz lieb gefragt hatte. Tuma hat sie extra nachts aufgeweckt, um sie auf Toilette zu schicken, denn Tina nässt auch des öfteren ins Bett. Die Nacht hatte aber super geklappt und ich bin auch nicht nass geworden. Den Tag darauf kam die Frau mit ihren Kindern, wo Kevin zuletzt gewohnt hatte, nachdem seine Mutter verstorben ist. Sie hatte uns seine Geschichte erzählt. Kevin muss wohl nach dem Tod seiner Mutter immer auf der Straße gewesen sein, um zu sehen, ob er irgendwo etwas zum Essen her bekommen kann oder vielleicht einen Platz zum Schlafen findet.. Der Ehemann von dieser Frau hat Kevin dann eines Tages auf der Straße gesehen und ihn mit nach Hause genommen. Ist dann immer wieder zum Office gegangen, um etwas von Kevin ausfindig zu machen und letzten Endes dann bei „Saidia kwa moyo“ gelandet. Kevin geht es jetzt sehr gut und Jimmy ist sein bester Freund.

Unsere kleinen Enten, mit ihren Hennenmamas, sind nun das erste Mal selbstständig raus gegangen, auf die Wiese, was nun bedeutet, dass wir sie nicht mehr länger füttern und groß ziehen müssen. Allerdings war dann unsere Ziege, Maria, krank und ist den ganzen Tag nur noch gelegen, hatte schlimmen Durchfall und hat auch nichts mehr gefressen, obwohl sie sonst den ganzen Tag nur am Fressen ist. Wir hatten schon einen schlimmen Verdacht, nämlich dass es das Rift-Valley-Fieber ist und wir sie einschläfern müssen. Die Tage darauf ging es ihr allerdings schon wieder viel besser. Wir wollten erst einmal ein bis zwei Tage abwarten, bevor wir sie zum Arzt bringen. Das war auch gut so, denn jetzt ist sie wieder O.K. Lag wohl doch nur am Wetter.

Ein paar Tage später ist Mama Grace mit Leon ins Krankenhaus gegangen, weil sein Ausschlag auf der Schulter immer schlimmer geworden ist. Der Arzt hat uns jetzt allerdings bestätigt, dass es weiter nichts schlimmes sei und wirklich nur von der Sonne kommt. Zum Glück, ich bekomme das gleiche nämlich mitten im Gesicht, was auch sehr toll aussieht. Allerdings nehme ich jetzt Neemseife, die soll ja ganz gut sein. Bis jetzt kann ich nur noch nicht erkennen, dass sie gut ist, im Gegenteil, es wird immer schlimmer.

Den einen Tag wollten wir gerade alle zu Mittag essen, als Irene einen Anruf vom Childrens-Office bekommen hatte, dass es ein Problem mit Leon gibt und er jetzt sofort zu uns kommt um mit Irene darüber zu sprechen. Zehn Minuten später kamen dann auch schon ungefähr zehn Personen, inklusive Leons Vater!!
Als sie Leon so munter gesehen hatten, mussten einige anfangen zu weinen. Leons Vater hat auch ganz schrecklich geweint. Wenn es stimmt, was er mir erzählt hat, dann muss Leon schon ungefähr drei Jahre alt sein, denn angeblich starb seine Mutter 2004.
Sein Vater möchte allerdings noch einmal wieder kommen, und uns „The true Story of Leon“ bringen. Ich verstehe das auch nicht, aber anscheinend ist er unschuldig und hat Leons Mutter nicht auf dem Gewissen. So wie es im Moment aussieht, müssen wir ihn wohl bald zurück zu seinem Vater geben. Leon hatte ganz bitterlich geweint, als sein Vater wieder gehen musste. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie ein Baby oder ein Kleinkind so lange und bitterlich weinen sehen. Er tat mir so leid, dass ich fast selber anfangen musste, so weinen. Abends ging es ihm dann Gott sei Dank besser.

Das war mein Report von Januar und ich möchte mich auch gleich hiermit verabschieden, da ich in weniger als einer Woche schon wieder zu Hause in Deutschland bin.
Wollte mich bei allen bedanken, für die schöne Zeit hier, es war super schön und ich hoffe ich kann nach meiner Ausbildung mal wieder hier in Kilifi bei den Kindern vorbei schauen.
Ich hoffe meine Reports waren einigermaßen interessant und sie haben euch gefallen. Vielleicht hat der Eine oder Andere nun einen besseren Einblick in das Waisenhaus bekommen, wer weiß.

Bye bye, Tasi

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