Home -> Berichte -> März/Aprill 2005

 

Kilifi März / April 2005

22.3.2005

Voll gepackt mit 3 Koffern, 2 Handkoffern, Rucksack, Videotasche und einem Fahrrad geht’s heute los. In Düsseldorf können wir sofort bei der LTU einchecken und sind so Gott sei Dank das viele Gepäck los. Wir haben wie immer viel zu viel, locker mit Handgepäck 160 kg, aber sie sagen nichts! Wir haben einen sehr ruhigen Flug und Dank einer Schlaftablette ist er auch für mich diesmal recht kurz. In Mombasa werden wir von Elisa und George herzlich in Empfang genommen. Auch hier können wir ohne Probleme durch den Zoll als wir ihnen sagen, dass alles für unser Waisenhaus ist. Sie sagen uns zwar dass wir nächstes Mal eine Liste vom Inhalt machen sollen, aber darauf können sie lange warten denn diese Arbeit mach ich mir mit Sicherheit nicht.

Auf dem Weg nach Kilifi halten wir gleich am Nakumat Markt und suchen uns einen großen Gas-Elektroherd aus, den uns George dann Morgen holen wird. Dank unserem Mitglied Martin haben wir nun genug Geld gesponsert bekommen um uns diesen Luxus leisten zu können. Der Herd hat 4 Gasplatten, 2 Elektroplatten und einen Backofen.

Nun können sie morgens um 5 Uhr ihn auf jeden Fall zum Frühstück benutzen und müssen sich nicht erst Holzkohle anfeuern. Auch beginnt in Kürze die Regenzeit und es wird mit Sicherheit dann schwierig draußen zu kochen. Nun aber weiter, ich will endlich zu den Kindern.

Ist hier ein Gekreische und die Freude riesig alle wieder in die Arme zu schließen. Außer Sepp sind sie alle gesund und munter. Die Mädels sehen richtig süß aus mit ihren neuen Frisuren denn nun sind ihre Haare lang genug um Zöpfe zu haben.

Nun gibt es viel zu erzählen. Und auch die vielen Sachen müssen ausgepackt werden. Für jedes Kind haben wir nun eine Regenjacke und eine Strickjacke für die Regenzeit mitgebracht.

Maya unsere neue Praktikantin ist nun schon 1 Woche hier und wir müssen sie erst einmal kennen lernen. Abends fahren wir dann endlich in die Makuti Villa und beziehen unseren Bungalow.

Da alles sehr trocken ist und nun auch das Wasser noch ausfällt, sind wir erstmal am Wasser einkaufen. In den nächsten Tagen schaffen wir es mit 3-4 Personen 12 Liter zu trinken. Es ist im Moment wirklich unheimlich heiß. Da wir ein Thermometer mitgebracht haben wissen wir nun, dass wir nie unter 35° am Tage und 28° in der Nacht haben.

Unser neuer Mitbewohner „Blacky“ wird nun von Elisabeth abgeholt und zieht bei uns ein. Blacky ist ein „echter afrikanischer Mixhund“, 3 Monate alt und hat nur Blödsinn im Kopf. Am meisten liebt er es hinter den Kindern herzulaufen und sie zu ärgern. Die Kids sind am Anfang zwar etwas ängstlich und trauen sich nicht ihn anzufassen, aber das gibt sich nach 2 Tagen und sie toben mit ihm rum. Daniel baut ihm eine schöne Hütte in der er schlafen soll. Aber er liebt es zwischen uns zu sein und weint fürchterlich wenn er dort festgebunden wird---da nützt auch nicht das Maya seinen Namen groß an die Hütte schreibt.

Nun ist es ja bald Ostern und wir zeigen den Kindern wie man Eier ausbläst und sie bemalt. Anschließend werden sie lackiert und an einem Baum gehängt. Die Kids sind mit Begeisterung dabei und hängen sie dann ganz stolz in den Baum (jeder Besucher bestaunt nun die komischen Früchte die bei uns am Baum wachsen.)

Seph ganz links auf dem Bild!!

Rama war nun schon 2-mal mit Seph zum Röntgen und Ultraschall. Der Doktor nimmt Blut ab und macht einen Malariatest. Ich bekomm’ne Krise denn Sephs Bauch wird immer größer und Malaria ist es mit Sicherheit nicht! Der Bauch ist voll Wasser und dem kleinen geht es immer schlechter.

Die Kinder können ja alle nur schlecht Englisch sprechen, aber als der Kleine auch noch vor uns steht und sagt: Helmut, please help me! Reichts mir wirklich.

Wir schicken Rama mit ihm nach Mombasa, aber als er dort viele Stunden gewartet hat schicken sie ihn auch wieder nach Hause und geben ihm ein Termin in 3 Wochen zur Computertomographie! Solange werden wir mit Sicherheit nicht warten aber Ostern steht vor der Tür und uns sind erstmal die Hände gebunden.

Am Samstag färbe ich 50 Eier schön bunt ein und kann mir ein grinsen nicht verkneifen als ich Grace Gesicht sehe, sie denkt mit Sicherheit sind die blöd, schließlich schmecken die Eier in weiß auch nicht anders. Jeden Abend sind wir bis 21 Uhr immer im Heim.

Ich genieße es einfach den Kindern zuzusehen wie sie sich mit singen und tanzen beschäftigen. Da im Moment alle frei haben helfen sie den ganzen Tag fleißig im Haushalt mit.

Sie waschen die viele Wäsche, putzen oder lernen zu kochen. Natürlich nutzen wir jede Gelegenheit um mit ihnen Baden zu gehen oder sehen uns abends, wenn sie fertig sind mit essen eine DVD an.

Am Ostersonntag verstecken wir Eier, Süßigkeiten und noch Geschenke im Garten. Als die Kinder von der Kirche kommen erzählen wir ihnen vom Osterhasen und das er wohl einiges im Garten verloren hat. Oh manno, nun ist aber was los, 18 Kinder rasen durch den Garten um alles zu finden.

 

In kurzer Zeit kommen alle wieder und die Sachen werden bejubelt und geteilt. Nachmittags kommt Harun und wir fahren mit ihm an das Ende der Bofa Road um dort schwimmen zu gehen. Harun bringt auch Bilder mit, die er bei den Ausflügen mit den Kindern gemacht hat.

Echt super was er alles unternommen und aus eigener Tasche bezahlt hat. u.a. eine Bootsfahrt in Mombasa mit allen Kindern und eine Tagestour zum Pirates.

Dort gibt es riesige Wasserrutschen die natürlich die Kinder mit Begeisterung genutzt haben. Eintritt ist pro Person 300ksh---nicht gerade wenig für 21 Personen das dann zu bezahlen.

Nach dem Baden erfolgt das große Abduschen mit dem Gartenschlauch. Ist ein tolles Vergnügen für alle!

Mit Milch, Sahne, Kakao und Bananenpulver habe ich nun einen Weg gefunden um Eiscreme herzustellen. Schmeckt wirklich ganz gut und die Kiddis genießen sie bis zur letzten Neige. Selbst die Schüssel wird noch ausgeleckt. Für viele war es die erste Eiscreme in ihrem Leben.

Klein Mary sagt zu uns: please give me engine(more), ist herrlich wie sie nach knapp 3 Monaten Englisch im Kindergarten die Sätze schon mixt. Sie wendet viel von dem gelernten an und wird bestimmt in kurzer Zeit gut sprechen.

 

 Leider haben viele Kinder mit der englischen Sprache arge Probleme. Verstehe es nicht ganz, denn in der Schule und auch im Kindergarten wird vom ersten Tag an Englisch gesprochen. Wir beschließen nun dass jeden Tag nun 1 Stunde nur englisch gesprochen werden darf, Kisuaheli ist dann verboten, sie müssen einfach mehr Praxis bekommen--------na toll, wir sagen jetzt ist Englisch Time und alle verstummen und kaum einer sagt noch was.

Die großen sind etwas cleverer, sie gehen dann rein zum Spielen damit wir sie nicht mehr hören können. Egal wir werden es weiter versuchen denn sie müssen ihre Scheu überwinden.

 

Direkt nach Ostern geht Rama mit Seph erneut ins Krankenhaus. Er kommt wieder und hat ein Rezept über Tabletten die dem Kleinen helfen sollen die Wartezeit zu überbrücken. Wir holen diese sofort ab und nun platze ich aber vor Wut-----die Tabletten die ihm helfen sollen sind ganz einfache Multivitamintabletten!!

Jetzt reicht es mir aber- ich nehme den kleinen Seph und fahre direkt zurück ins Hospital. Dort bekomme ich erstmal einen Schock denn es ist wie in einer Bahnhofshalle und schätzungsweise sind 150 Personen vor mir! Nix da, wir warten nicht und schaffen es geschickt als erster vor der Tür zu stehen (manchmal hat es Vorteile wenn man weiß ist) Da ich vor Wut bald platze dass man den Kleinen einfach nicht hilft frage ich den Doktor ob wir warten müssten bis er uns unter den Händen stirbt!!----da wird er nun aber munter. Er klopft ihn einmal auf dem Bauch und schon schreibt er eine Einweisung für eine stationäre Aufnahme in das Kembri Hospital.

Dieser Trakt vom Krankenhaus ist angegliedert am Kilifi Hospital, total neu und gesponsert von Germany. Wir gehen dort zur Aufnahme und müssen auch nicht warten. Seph wird gewogen, Größe, Fieber, Kopfumfang und die Arme werden auch vermessen. Alles wird gleich in einem PC gespeichert.

Ist wirklich sehr modern und sauber hier. Nun geht’s weiter zum nächsten Arzt. Seph wird erneut Blut abgenommen und eine Dauerkanüle gelegt. Das Blut soll auf TBC und Aids untersucht werden.

Nun soll er eine Tablette bekommen, also raus, schnell eine Tasse kaufen und wieder zu ihm hin, denn ohne eigene Tasse kann er nichts nachtrinken. Jetzt bekommt er ein Bett zugewiesen. Es steht in einem großen offenen Raum mit 8 anderen Betten. In jedem Bett ist eine Mama mit ihrem Kind—also 16 Personen und an der anderen Seite auch=32 Personen und kein Ventilator obwohl alles neu ist. Wir müssen nun aber schnell nach Hause fahren und für Seph Sachen holen denn einiges ist hier ganz anders als bei uns. Wir brauchen auch eine eigene Waschschüssel. Als wir zurückkommen erfahren wir, dass sie kein Laken für ihn haben und er soll auf der Plastikmatratze liegen!!

Also wieder los und Bettwäsche und Kissen  holen. Manno, nun nehmen wir schnell noch was zum Essen und Trinken mit, denn wir sind uns nicht sicher ob sie dort etwas bekommen. Als wir ankommen sehen wir das Essen verteilt wird

. Aber Mist, nun haben wir keinen Teller und keinen Löffel eingepackt!! Werden wir ihm Morgen bringen müssen. Selfa bleibt die erste Nacht bei Seph, denn jeder hat hier seine Mama mit im Bett und so lassen wir ihn auch nicht alleine.

Am nächsten Morgen geht Zaituni und Darlying sie ablösen. Heute wird Seph wieder geröntgt und wir bringen erstmal dafür Geld hin, denn ohne Geld läuft hier nichts.(350Ksh) Mittags bleibt Rama bei ihm, Nachmittags geht unser Gärtner Daniel und diesmal zum schlafen Grace. Wir gehen am Nachmittag mit allen Kindern ihn besuchen, bleiben aber nicht sehr lange da Seph nun anfängt bitterlich zu weinen.

Er möchte wieder mit uns mit und außerdem ist es unerträglich heiß in dem Saal und uns läuft der Schweiß nur so runter. Auf dem Rückweg gehen wir alle in den Kilifi Club noch eine Soda trinken und die Kinder toben auf dem Spielplatz herum.

Bei einer Staffsitzung beschließen wir, trotz Protest von Daniel, dass wir die Ziegen verkaufen und uns noch Legehühner zulegen werden. Die normalen Hühner legen zu wenig und die Ziegen fressen nur! Auch sind wir uns einig das der Askari früher anfangen muss, nicht erst um 21 Uhr. Stellen nun auch für 1 Tag in der Woche eine Ablösung ein.

Von der Primeri School haben die Kinder Zeugnisse bekommen, von der Sant Thomas noch nicht, ist auch eigenartig denn sie haben keine Ferien und müssen noch 2 Wochen länger gehen als die anderen Kinder. Vor einigen Tagen hatte ein Kenianer hier nachgefragt wegen einer Volontärstelle, wir hatten ihn aber nach Hause geschickt weil im Moment keine Arbeit für ihn da wäre. Nun hat sich die Situation aber geändert und wir holen ihn um am Tage bei Seph im Krankenhaus zu bleiben. Abends gehen Selfa und Grace im Wechsel zum Schlafen hin.

Trotz vieler Untersuchungen und Tests finden sie aber noch immer nichts. Oh Mensch, ich versteh die Welt nicht mehr, die können doch nicht alle nur blind und blöd sein! Er hat eine massive Aszitis und das bekommt man nur wenn Leber, Nieren oder das Herz nicht mehr richtig arbeiten, das weiß ich ja sogar!

Diese Mentalität werde ich wohl nie verstehen. Um hier etwas zu erreichen muss man sich mindestens 3 Mal auf den Weg machen und zig Mal nachfragen, so vergeht unheimlich viel Zeit und man hat abends immer das Gefühl wieder nichts erreicht zu haben.

Hier ist es wirklich so: „Wir haben die Uhr und die Afrikaner die Zeit“ Ich habe nun eine neue Garderobe anbringen lassen damit alle Kinder ihre Rucksäcke, Regenjacken und Strickjacken aufhängen können.

Auch die Tradition dass ich heiraten muss wem mein Vater oder Bruder ausgesucht hat ist unvorstellbar und bei uns gerade ein aktuelles Problem. Daniels Bruder hat ihm vor 3 Tagen eine Frau gebracht die er heiraten soll. Sie kostet 25000Ksh!!

Er stellt sie uns vor und wir sind uns alle einig das sie keine Frau für ihn ist, denn sie wird hohe Ansprüche stellen die er nicht erfüllen kann. (gefärbte Haare, Nageldesign) Sein Bruder verlangt baldige Hochzeit und er weiß nicht was er machen soll denn eigentlich hat er eine Freundin die er liebt! Was können wir ihm raten? Begreifen können wir diese Tradition nicht als Europäer, also geben wir ihm den Ratschlag er soll sie wenigstens ein halbes Jahr prüfen und dann erst heiraten.

Helmut wollte mit seinem Kopf heute einen Baum fällen, der Baum steht noch und er hat eine Platzwunde am Kopf. Ist aber nur halb so schlimm wie es zuerst aussah. Nachdem die Blutung gestoppt ist und er von dem vielen Blut abgewaschen ist, sehen wir, dass wir keinen Doktor brauchen.

Jeden 2. Tag gehen wir mit den Kindern nachmittags zum Beach. Im Moment haben ja viele Schulen Ferien und es sind nun auch viele Kenianer am Strand. Nun können wir nicht mehr alle zusammen ins Wasser, einer von uns muss immer draußen bleiben und auf unsere Schuhe und Tücher aufpassen.

Heute fährt ein Auto mit Lautsprecherdurchsagen durch die Straßen von Kilifi und verkündet dass der Papst im Sterben liegt, auch in Kenia wird bei den Katholiken stark Anteil genommen.

An einem Abend versuchen wir vernünftige Aufnahmen von den Songs zu machen die die Kinder immer singen—na toll, sonst singen sie immer toll aber diesmal klappt es nur sehr mäßig. Einer quatscht immer dazwischen, der Nächste vergisst seinen Text usw. Wir beschließen die Aufnahmen mal heimlich zu machen, so wird es nichts!

Montags kommt der Pastor zu uns und will alle Daten von den Kindern haben. So ganz versteh ich nicht was das ist, es heißt Babtist und sie sollen bei dieser Feier alle einen neuen Namen bekommen.

So’n Blödsinn, sie haben doch alle einen schönen Namen. Nun gut, wenn es denn „Sitte“ ist werden wir dazu nichts sagen.

Wir beschließen aber, dass sie alle den Namen von ihren Paten nehmen denn das ist etwas einfacher für uns. Z.B. heißt nun Santa Ingeborg und Willi Rudi! Ich glaub aber kaum dass wir sie jemals anders nennen werden. Ist es nun eine Taufe? Christliche Namen haben doch viele, warum müssen andere Christliche Namen genommen werden?

Seph soll nun noch 3 Tage im Krankenhaus bleiben und wir wechseln uns alle mit der Sitzwache ab. Noch immer haben sie aber keine Ursache für den Wasserbauch gefunden.

 

 

Wir wollen heute ein Huhn schlachten. Das Huhn hat wohl irgendwie Eier quer im Bauch und ich meine es quält sich. Als sie dann kommen und sagen, dass ein Huhn aber zu wenig für alle ist, sage ich ihnen, na kein Problem, schlachtet ihr halt noch ein zweites! Na, das war wohl nichts, sofort ist Daniel da und erklärt mir das seid gestern „alle Hühner“ Eier legen und wir keines von unseren Hühnern schlachten können!!

Wer’s glaubt wird selig! Okay, ich schicke ihn in die Stadt um eines zum Schlachten zu kaufen (hat super geschmeckt) Mittlerweile essen wir alle Mahlzeiten immer mit unseren Kindern zusammen, schmeckt hier viel besser als im Hotel.

Grace und Selfa verstehen ihr Handwerk wirklich gut!

Die Kinder haben am Strand eine Akrobatengruppe bei ihren Übungen beobachtet und nun muss es natürlich zu Hause auch versucht werden ob man es nicht genau so gut kann----

Jeden 1. vom Monat bekommen nun die Kinder Taschengeld von uns. Ich meine es ist unheimlich wichtig das sie auch eigenes Geldhaben, gerade die großen Mädels haben bestimmt mal kleine Wünsche und wenn diese größer sind sollen sie halt sparen.

Wir geben allen Kindern unter 10 Jahren 50 Ksh und allen über 10 Jahren 100Ksh im Monat. Alle müssen auf einer Namensliste unterschreiben wenn sie ihr Geld abgeholt haben. Sie freuen sich und jubeln, ihr erstes eigenes Geld, keiner nimmt es ihnen weg und sie können damit machen was sie wollen!

Am nächsten Morgen marschieren sie stolz mit Maya in die Stadt um sich eine Geldbörse zu kaufen, sie wissen ja nicht wo sie es sonst lassen sollen (für mich ist es auch wichtig das sie nun keiner überreden kann vielleicht für 50 Ksh Sex zu machen, nun können sie sagen hau ab ich habe selber Geld und das bestimmt nicht nötig!)

Ein kleines Problem tritt auf als wir mit allen über Beschneidungen reden. Natürlich behaupten wieder alle es wäre hier nicht üblich, nur bei den Digos an der Südküste, die Geriamer machen so etwas nicht!

 

Allerdings sagen sie uns dass die Jungens alle beschnitten werden wollen! Als ich frage warum? Sie sind doch keine Moslems, können sie meine Haltung nicht ganz verstehen. Es ist hier absolut üblich und je früher umso besser.

Harun will nun alles organisieren damit es bald geschieht. Beschließen aber nach Rücksprache mit Dr. Fondo es erst in den nächsten Ferien machen zu lassen denn in der Regenzeit wäre eine Beschneidung nicht gut wegen der vielen Fliegen und der Hygiene. Anschließend werden Bilder von den Boys als Erinnerung gemacht (als ich frage, wie Ganzkörperfotos? Kommt ein großes Gelächter, tatsächlich, Fotos wo man alles sieht, zur späteren Erinnerung!!) und nach den Fotos muss ein Fest organisiert werden.

 

 

 

Über unsere Mädels reden wir lange mit Selfa und Grace. Da Grace auch eine Giriamer ist können wir ihr in dem Punkt nicht ganz trauen und halten uns mehr an Selfa. Sie ist eine Lua und die lehnen eine Beschneidung total ab. Sie selber findet es auch grausam und kann es nicht begreifen wie man so etwas den Mädels antun kann. Selfa meint zwar unsere Mädels wären nicht beschnitten, aber als ich ihr sage dass ich es nur glauben würde wenn ich mich selber überzeugt habe, ist sie sofort bereit uns zu helfen.

Nun holen wir alle Mädels und sie erzählt ihnen, dass wir nachsehen müssen ob sie eine Frauenkrankheit haben. Die Wahrheit wollen wir ihnen erstmal noch nicht sagen.Natürlich sind alle nicht gerade begeistert und die 3 großen Mädels beschließen sofort sie müssen nun erstmal duschen gehen. (ich glaub sie haben noch nie solange unter der Dusche gestanden)

Maya und ich halten ein großes Tuch als Sichtschutz vor einem Bett und Selfa fängt an einem nach dem anderen zu untersuchen. Klein Mary hatten wir gesagt sie braucht nicht kommen aber da haben wir die Rechnung ohne sie gemacht!!

Ruck-Zuck ist der Schlüpfer unten und schon liegt sie auf dem Bett, schließlich ist Selfa ihre spezielle Mama und sie darf sie doch nicht einfach vergessen. Als die Kleinen fertig sind kommen nun nach zig Aufforderungen unsere großen 3 Mädels an die Reihe. Oh Mama, oh Mama jammern sie! Wir verstehen ja dass es für sie besonders peinlich ist aber es muss nun mal sein.

12 Mädchen sind nun fertig------eh super alles da wo es sein muss. Maya und ich strahlen uns schon an, da kommt die letzte---Darlying---------Scheiße- Scheiße- Scheiße ------auch beim zweiten Mal nachsehen finden wir einfach nichts!!!!! Keine Schamlippen , keine Klitoris—einfach nichts!!!

Wir schicken nun alle bis auf Darlying aus dem Zimmer denn nun müssen wir ihr die Wahrheit sagen warum wir sie untersucht haben. Als wir sie über die Beschneidung ausfragen wollen kann sie sich an nichts erinnern, an keine Schmerzen, einfach an gar nichts. Ich vermute das war so ein schlimmes Trauma das sie alles aus ihrem Gedächtnis gestrichen hat.

Wir beschließen nun, dass sie jetzt zur richtigen Untersuchung in ein Krankenhaus gehen muss. Selfa kennt im Krankenhaus eine die ist auch vom Stamm der Lua und die soll es machen.

Am nächsten Tag kommt sie schon zu uns ins Haus und untersucht sie hier. Auch sie kommt zu keinem anderen Ergebnis, Darlying ist beschnitten und bis auf eine sehr kleine Öffnung zugenäht. Darum hat sie auch die Wahnsinns Schmerzen bei ihrer ersten Menstruation gehabt, nun heißt es handeln. Im General Hospital würden sie die OP auch machen, aber nur mit örtlicher Betäubung und halt nur etwas aufschneiden ……….oh’nee, das würde auch nicht viel kosten, aber so was lehne ich total ab. Das Mädchen hat schon soviel schreckliches hinter sich und hier soll es nicht am Geld scheitern. Ich werde wenn wir zu Hause sind einen Aufruf starten und versuchen dafür speziell Geld zu sammeln denn ihr muss wirklich geholfen werden!!

Heute Morgen regnet es das erste Mal und schon sind es nur noch 26°. Die Kinder laufen mit Strickjacken rum und auch ich „friere“. Daniel beginnt sofort den Garten umzugraben denn nun ist es Zeit das die Saat in die Erde kommt.

Wir kaufen heute 10 Legehühner. (350Ksh) Wollten erst Tagesküken kaufen, aber die brauchen sogar eine Wärmelampe! Sie sind sehr empfindlich und sterben anscheinend sehr schnell, sollen 75 Ksh das Stück kosten und Mindestabnahme 100 Stck!!

Seph ist nun auch wieder bei uns. Der Bauch ist deutlich dünner aber eine Diagnose gibt es nicht. Alles war negativ. Die Ärzte meinen zwar auch dass er nicht gesund ist, aber was es ist können sie noch immer nicht sagen. Und wir sollen das CT abwarten.

Daniel ist nun mit seiner zukünftigen Frau zusammen gezogen.

Als er heute in die Stadt fährt will er mal kurz vorbei gucken------aber oh je, diese Frau, die sein Bruder ihn ausgesucht hat, hat alles was er besaß eingepackt und ist mit seinem Koffer mit wichtigen Papieren weg.

Sie hat ihm einen Zettel hinterlassen dass sie nun wieder zu ihrem Mann zurück geht!! Daniel kommt völlig fertig zu uns und will sofort nach Mombasa um sie zu suchen. Er fährt aufgeregt weg und alle müssen lachen denn wir hatten ihm ja gesagt er sollte dieser Frau nicht trauen!

Gegen Abend kommt er mit seinem Bruder und dieser Frau und seinen Sachen, im Tuk-Tuk vorgefahren.

Er hat sie tatsächlich gefunden und irgendwie es geschafft sie in ein Tuk-Tuk zu setzen. Nun will er sofort mit ihr zur Polizei fahren und sie anzeigen. Versteh zwar nicht ganz warum er sie uns gebracht hat.

Auf jeden Fall finden es sogar die Kinder total lustig, das Daniel mit dem Tuk-Tuk von Mombasa kommt, schon ist ein großes Gelächter im Gange als er den Hof verlässt. Vermute aber mal die Polizei wird nichts machen, er hat sie schließlich in seiner Wohnung aufgenommen

Ich hatte ihm gesagt er solle vorsichtig sein, aber er meinte ja alles Wichtige habe er im Koffer eingeschlossen! Tja, das sie den ganzen Koffer mitnehmen wird auf die Idee ist er wohl nicht gekommen.

Nachdem es heute den ganzen Tag geregnet hat haben wir 1 Million fliegende Ameisen!! Man ist das eklig, einige sind so groß wie Wespen. Besonders im Badezimmer von den Mädels krabbelt es überall. Die Wände sind schwarz von den Viechern. Ich versprüh erstmal eine Dose Insektenspray und schließe alle Räume.

 

Da nun keiner mehr ins Haus darf, sitzen wir alle im Dunkeln draußen, denn auch hier können wir kein Licht anmachen sonst haben wir auch hier die Ameisen überall. Nach 1 Stunde fegen wir einige Kehrbleche voll aus dem Haus. Hoffentlich kommen sie nun nicht nach jedem Regen, dass ist wirklich eklig. Wir müssen auch unbedingt das Loch in der Badezimmerdecke schließen denn sie scheinen unter dem Dach zu leben.

Ich erkläre ihnen auch bestimmt zum hundertsten Mal, dass sie abends die Tür nicht offen lassen sollen wenn Licht an ist, aber da haben sie alle ein Kurzzeitgedächtnis. Einige Sachen bekommt man hier einfach nicht geregelt.

Die Sank Thomas Schule gibt nun die nächsten 2 Wochen Nachhilfe und wir sollen unsere Kinder unbedingt hinschicken und pro Kind 150 Ksh bezahlen.

Wofür? Sie gehen jeden Tag zum singen und tanzen hin, außerdem sind einige davon super in der Schule und sie brauchen bestimmt keinen Musikunterricht zusätzlich. Wir beschließen dass die Kinder zu Hause bleiben und Maya und Rama zusammen einen gezielten Unterricht mit ihnen machen. Alles andere wäre rausgeschmissenes Geld.

Jeden Donnerstag kommen eine Engländerin und eine Kenianerin zu den Kindern und liest ihnen Geschichten vor. Die Kenianerin übersetzt sie gleich ins Suaheli damit es alle verstehen können. Anschließend wird über die Geschichte und den Inhalt diskutiert. Die Kids sind jedes Mal total begeistert und lieben diese Stunde.Am Freitag heißt es für uns groß einkaufen und alles zum Grillen und Trinken besorgen denn wir erwarten ja 6 Gäste von der Südküste und 2 Gäste von der Nordküste.

Da wir mit allen Kindern und  Angestellten große Party machen wollen ist einiges zu organisieren. (Steak, Hähnchen, Würstchen, Samosas, Kräuterbutter, Salat, Bier, Soda, Bowle usw.) Die ganze Anlage wird mit Blumen, Luftballons und bunten Partylichtern geschmückt. .

Für die Eingangstür flechten Selfa und die Mädels noch eine große Girlande und malen ein Schild mit: „Welcome Martin“!Als ich sie frage ob Kibaki kommt antworten sie, nein, aber Martin der ist besser als Kibaki, er hilft uns wenigstens!Samstagnachmittag kommen dann die Gäste an

Da wir aus dem Keniaforum ja schon alle kennen ist es toll wenn man sich mal persönlich sieht und nicht immer nur schreibt. Eh super, als Fahrer haben sie Alex Kimerimeter von der Südküste, den kennen wir schon vom Aufenthalt im Kinderheim Kwale und es gibt viel zu erzählen.

Die Kinder begrüßen unsere Gäste gleich mit Gesang und freuen sich riesig über die vielen schönen Sachen die sie mitgebracht haben. Nachdem wir sie alle im Makuti Villas eingecheckt haben kann ja die Party beginnen.

Ich habe zig Liter Bowle mit frischen Früchten gemacht und sie geht weg wie warme Semmeln. Nur gut dass wir den großen Kühlschrank haben sonst wäre es nicht zu schaffen für 40 Personen kalte Getränke zu haben.

Vor dem Essen haben die Kinder noch ihren großen Auftritt. Ich habe unheimlich viel Stoff gekauft und Rama hat nun allen Kindern Röcke und Hosen genäht. Rote Tshirt’s hatten sie ja von Amerikanern bekommen und so sehen alle gleich aus. Mit den Faltenröckchen können sie nun ihren Popo richtig wackeln lassen.

Wir müssen sie nach einer Weile stoppen denn wir haben Hunger und sie wollen nicht aufhören soviel Spaß macht es ihnen. Der Abend geht schnell vorüber mit erzählen, tanzen und singen. Um 1 Uhr verlassen wir das Waisenhaus denn nun sind wir doch alle müde—nur Alex und ich noch nicht.

Wir beide sitzen noch bis 3.30 Uhr draußen und unterhalten uns angeregt über alles Mögliche. Am Sonntag fahren unsere Gäste wieder zur Südküste und wir mit den Kindern in die Makuti Villa zum Baden. Dank Martins Spende haben wir nun einen super Herd!!

Ein Pool zum Schwimmen lernen ist einfach besser als das offene Meer. Leider können sie nur dort hin, wenn wir da sind ,denn Bus und Getränke können sie normalerweise nicht bezahlen, dafür reicht das Spendengeld nun doch nicht.

Klein Mary beschließt heute dass Martin nun ihr Patenonkel sein soll!!! Sie lässt sich stolz „ Mary Martin“ rufen!! Wir sind uns alle einig dass Martin der richtige ist und so soll es dann auch sein (Martin weiß noch nichts von seinem Glück) Sie wollte ja erst Mbillikimo, aber als ich ihr sage das es eine Freundin von ihr sei und nicht sie selber, war sie nicht begeistert. Martin kennt sie nun und eine fremde Frau will sie nicht!

Heute ist der letzte Tag angebrochen. Die Jungens reparieren einige kleine Löcher im Zaun damit die Hühner nicht mehr zum Nachbarn laufen können. Wie immer ist der Urlaub viel zu kurz und wir sitzen noch mal alle zusammen um über bevorstehende Arbeiten zu reden.

Seit Gestern haben wir auch einen Gast hier. Klein Grace (12 J?) kommt normalerweise nur um den Mädels die Haare zu flechten damit sie sich etwas Geld verdient um Essen für sich und ihre Mutter zu kaufen.

Ihre Mutter hat Aids und liegt nun im Sterben. Da sie nun die Großmutter geholt hat damit sie sich um ihre Mutter kümmert haben wir ihr angeboten die nächsten Wochen als Gast bei uns zu bleiben, so dass sie das schreckliche Ende ihrer Mutter nicht so hautnah erleben muss.

Anschließend muss sie aber mit der Großmutter weggehen denn wir haben nur 18 Betten und können finanziell auch kein weiteres Kind aufnehmen. Nachdem wir es Grace gesagt haben ist sie wie ausgewechselt, sie lacht, spielt und kocht mit den Anderen. Es ist wirklich schlimm das wir ihr nicht länger helfen können (geht auch nicht zur Schule und in der Hütte ist das halbe Dach eingebrochen!)

Die Kinder wissen zwar dass wir Morgen fliegen aber sie dachten wohl wir kommen noch mal vorbei. Nachdem wir alle noch einen Film gesehen haben und wir uns nun verabschieden sind sie total geschockt und können es nicht fassen.

Nun schnell weg ehe das große Weinen wieder beginnt. Alle werden schnell gedrückt- aber zu spät, natürlich fließen wieder Tränen und das nicht nur an einer Seite,also schnell ins Auto und los.

Ich sehe die Kinder alle wie versteinert am Tor stehen. Oh Mist, tut das weh, dieser blöde letzte Tag immer. Am nächsten Morgen holt uns Harun ab und mit 30 Minuten Verspätung geht’s dann wieder in Richtung „old cold Germany“

 

 

 

Vereinsinformationen

 

  unser Verein

  Mitgliedschaft

  Patenschaft

 

 

Aktuelle Informationen vom

Waisenhaus im Karibuni - Forum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© 2006 Saidia kwa Moyo Bibimalaika’s Kinderhilfsprojekt Kenya e.V.

Design by Planet4web.de