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 Bericht November 2005

 24.10.2005

In München holt uns Olli vom Bahnhof ab und wir fahren gemeinsam zum Flughafen.
Kein Problem beim Einchecken, denn sie wiegen kein Handgepäck. Glück gehabt, haben doch wieder zuviel. Der  Flug verläuft sehr ruhig. Das Essen ist sehr gut hat sich beim ASC doch  einiges wieder sehr verbessert. In Mombasa werden wir von Rama schon erwartet. Nun geht’s aber los in Richtung Kilifi.

Man ist das schön nach 6 Monaten die vertrauten Geräusche und Menschen wieder zu erleben.
Als wir im Heim ankommen ist noch kein Kind da , sind noch alle in der Schule.
Endlich lernen wir nun auch Hanna kennen. (sie ist nun schon 3 Wochen im Heim und hat sich super eingelebt)
Da wir noch Zeit haben bis die Kiddis kommen bringen wir erstmal unser Gepäck in das neue Hotel Chambai Lodge. Ist echt super, genau beim Heim gegenüber geht der Weg rein, 2 Minuten und wir sind in der Chambai Lodge.

 
Sie ist erst 4 Wochen offen und alles super neu und sauber. Auf den Klippen vom Meer gebaut hat man einen wunderbaren Ausblick zum offenen Meer und zum Creek.  

Das Zimmer hat 2 tolle Himmelbetten, Fernseher  und ein super Badezimmer.

Die Terrasse ist mit Blick zum Meer.

Der Garten ist erst angepflanzt. Also noch nicht so toll. Wird wohl noch etwas dauern, auch der geplante Pool muß noch gebaut werden.

Als ich bemerke das wir keinen Kleiderschrank haben , sag ich Bescheid und schon am nächsten Tag wird er gebaut, haben sie einfach vergessen.

Da wir aber eh nur hier schlafen werden ist es für uns mehr als gut!(7 Euro pro Nacht mit Frühstück ,falls Interesse ,Kontakt habe ich )

Mittags kommen die Kids von der Schule und trauen ihren Augen nicht, keiner hatte ihnen verraten das wir kommen. Manno ist das eine Begrüßung, alle umarmen uns, jubeln und können es kaum fassen. Auch für uns ist es ein super Gefühl, die Kiddis wieder richtig knuddeln zu können. Leider müssen wieder alle zur Schule zurück, richtig schade.

Die Kids von der Goverment School haben jetzt jeden Tag bis 17.15 h Schule, ist verdammt lange. Von der St. Thomas School bis 16 h, nun ist nicht mehr viel Hilfe im Haus zu erwarten und wir beschliessen noch eine Frau einzustellen, es ist einfach zu viel Arbeit für die Beiden anderen.

Abends verteilen wir die vielen Geschenke und Briefe von den Paten (Dank Steffie bekommen alle Post!)

Oh je nun ist was los, alles jubelt und kreischt und bestaunt was der andere bekommen hat. (Bitte um Nachsicht wenn sich ein Kind nicht bedankt und geantwortet hat, bei dem Durcheinader haben wir den Durchblick verloren.)

Im Haus hat Hanna hat schon einiges gemacht und durchorganisiert, sie ist ganz toll. Sie macht sich super und wir sind sehr zufrieden mir ihr!

Wir sehen aber, dass einiges schon sehr renovierungsbedürftig ist.

 

Als erstes renovieren wir die beiden Badezimmer und Toiletten, die haben es verdammt nötig.

Die Tage sind nun ausgefüllt mit einkaufen und organisieren.

Die Kids bekommen ihr Geld von den Paten, und gehen ganz stolz abends noch einkaufen. Zaituni kauft sich als erstes Kassetten für ihre Geburtstagsfeier, dann einen schicken Rock und ein T-Shirt.

Nun möchte sie noch passende Schuhe haben, na dann mal los. Die anderen Kids werdensich zum größten Teil Sportschuhe kaufen, denn Hanna geht viel Joggen mit ihnen und mit Latschen geht es schlecht. Sie laufen jetzt tatsächlich eine Stunde ohne Pause, aber nur die Mädchen die Jungs schaffen es nicht.

Schwimmen können sie leider nur am Wochenende, denn die Schule ist einfach zu lange. Die Extra Stunden müssen wir auch noch bezahlen, von wegen die Schule ist frei! 200 KsH pro Kind. Für den Kindergarten nehmen sie 17 Euro, und fünf Kids gehen noch hin. Die Preise explodieren in Kenya.

Wir sehen es auch an den Grundstücken, im April hätten wir noch 50 Gründstücke kaufen können und nun sind sie alle verkauft,  überall wird gebaut.

Täglich sind wir am rumfahren und suchen, wenn wir was finden ist es verdammt teuer. Wir müssen uns jetzt wirklich beeilen sonst ist es unbezahlbar. Viele Geschäftsleute aus England, Italien und Nairobi wittern wohl große Geschäfte.

Am Samstagabend ist Großeinkauf für Zaitunis Geburtstagsfeier angesagt. Stundenlang sind wir an Samosas vorbereiten, Fleisch schneiden und Salat schnippeln. Obst für die Kinderbowle muss auch geschnitten werden, da aber alle Kinder mithelfen geht es einigermaßen schnell. (Samosas herstellen ist verdammt viel Arbeit).

Wir schmücken draußen alles mit Blumen und bunten Lichterketten. Gegen 18.oo h fangen wir an zu Grillen, es schmeckt einfach super. Nach den Essen tanzen die Kids, aber sind heute einfach zu müde, also ruckzuck alles abräumen und freiwillig marschieren sie in ihre Betten. (Gestern was es zu spät, haben zu lange Videos geguckt).Egal wann sie ins Bett gehen, sie stehen immer um 5.30 h auf, diese Zeit ist einprogrammiert. (Arme Hanna, ist nie was mit ausschlafen!!!)

Den Sonntagnachmittag brauchen die Kinder um ihre Haare zu flechten und ihre Schulsachen zu ordnen.

Fast täglich schreiben sie nun Klassenarbeiten und zeigen uns ganz stolz ihre Zensuren.

Bahati und Santa sind Klassenbeste und bringen nur „Sehr gut“ nach Hause.

Wir merken auch, dass sie alle im letzten Jahr viel Englisch gelernt haben. Nun können wir uns mit den meisten Kindern schon richtig gut unterhalten.

Klein Mary ist so clever, dass sie mir vieles auf Englisch übersetzt was die anderen sagen. Zum Beispiel: Helmut setzt die Brille ab, alle Lachen und sie übersetzt mir: Helmuts Augen sind nun ausgezogen.

Nach der Taufe im April hat Seph nun seinen Namen auf Brian gewechselt. Auch Halima rufen nur noch alle Thomasina.

Als ich sie mit Halima anspreche sagt sie mir, dass sie diesen Namen aus ihren Gedächtnis gestrichen hat. Er erinnert sie an ein schreckliches Leben wo sie hungernd unter einem Busch lag, wo sie von einer Schlange gebissen wurde und keiner hat ihr geholfen (der Mittelfinger ist total verformt) und wo sie Schmerzen und Qualen nach der Beschneidung erlitten hat. Nachdem sie mir das erzählt hat werde ich nie mehr Halima sagen.

Das Mädchen hat nun ein neues Leben begonnen und will nicht mehr erinnert werden, aber wir werden sie in nächster Zeit zum letzen Mal nach ihrer Vergangenheit ausfragen und aufschreiben, dann wird sie nie mehr an ihre Vergangenheit erinnert werden.

Montag ist großer Waschtag. Stundenlang stehen Grace und Selfa gebückt und waschen Wäsche. Auch Hanna hilft fleißig mit, sie räumt und organisiert den ganzen Tag. Sie findet immer genug Arbeit, das Haus ist einfach zu klein um richtig Ordnung zu halten. Auch sehen die Kenyaner doch vieles mit anderen Augen.

Sie putzen zwar ewig Fußböden und Fenster, aber das die Wände und Türen auch mal gescheuert werden müssen sehen sie nicht. (ich arbeite dran, habe eine Wand und Tür gescheuert um ihnen zu zeigen wie es gemacht wird!) Als nächstes müssen die Kinder alle ihre Schränke und Fächer aufräumen, denn bei dieser Unordnung finden sie nichts mehr, dabei kommen auch viele Socken und Schlüpfer zum Vorschein die vorher verschwunden waren. Ich kaufe einen riesigen Kochtopf um die Laken und Handtücher mal richtig durchkochen zu können.

Nur mit kalten Wasser auf die Dauer wird das nix. Hier könnte man fast verzweifeln, einen Tag sieht es ordentlich aus dem nächsten ist wieder alles ein Chaos. Jeder wühlt rum um irgend etwas zu finden. Bin gespannt wann Hanna aufgibt!!! Zwischendurch schauen wir uns immer wieder Grundtücke an, aber bis jetzt nicht richtiges gefunden.

Entweder ist es zu klein, oder zu weit weg von der Schule, oder viel zu teuer.

Oh Mensch zwei Wochen reichen einfach nicht. Mit Seph gehen wir erneut ins Krankenhaus und er wird erneut durch gescheckt.

Im Moment ist nichts akutes und so sagen sie, dass wir ihn nicht behandeln können sondern erst mal abwarten müssen bis es akut wird.

Bedeutet wir bekommen kein Rezept für Penicillin und die Langzeitbehandlung können wir vergessen.

Das Haus muss fast jeden Tag repariert werden, mal ein Rohrbruch, mal gehen die Türen auseinander, dann sind mal wieder die Klinken abgebrochen. Helmut repariert Stromleitungen und wechselt Glühlampen aus.

Als es regnet, regnet es auch Stellenweise noch rein. Wir bezahlen nur noch für diese alte Kiste, wird Zeit das wir auch Geld bekommen und uns selber was bauen können.

Im Moment regnet es oft, und 25 Personen im Haus ist einfach nur eine große Katastrophe..

Dann finden wir ein Haus und ein riesiges Grundstück für uns. (10.000 qm) Das Makuti Haus wäre für uns ok und für die Kinder auch.

Alles gehört einem alten Engländer der verkaufen will, aber als er uns den Vertrag schickt, kann ich nur noch lachen. Wenn wir den unterschreiben, haben wir Opa und Oma gekauft, aber nicht mehr. Im Vertrag steht: Wenn wir bezahlt haben kann er weiterhin sechs Monate frei wohnen und dann würde er 250 Euro pro Monat bezahlen und das so lange bis er etwas anderes findet!

Ist ja wohl ein Witz und müssten im Hotel für 300 Euro im Monat leben und wissen nicht ob er jemals ein anderes Haus findet. Das war wohl nix. Also weitersuchen.

Eines Morgens kommt ein Europäer mit einer Kenyanerin und will von uns ein Kind adoptieren. Schade das ich nicht da war, die hätte ich aber gejagt. Die ganze Sache war oberfaul.

Dann von der kleinen Grace (wir hatten sie schon mal im April für vier Wochen) ist nun die Mama gestorben (Aids, langes Siechtum) und keiner will sie haben.

Die Kleine ist nun elf Jahre und lebt alleine in einer verfallene Hütte. Ihr Vater hat eine andere Frau genommen und säuft nur noch. Und der Mann von ihrer Schwester erlaubt nicht das sie zu ihm zieht.

Grace hat ganz alleine sich die letzte Zeit um ihre Mutter gekümmert. Aber was nun? Sie ist ein ganz liebes und so werden wir ihr etwas helfen.

Im Haus können wir sie offiziell nicht aufnehmen haben ja kein Mädchenbett frei, aber wir beschließen, dass sie bei uns isst und trinkt, nun ja und wenn sie nicht nach Hause geht, dann schläft sie eben in einem anderen Bett von einem Mädchen. Was sollen wir machen? Armes kleines Mädel keiner will sie haben.!

Am Samstag gehen alle Kids in die Stadt zum einkaufen. Die Taschengeld von ihren Paten bekommen haben. Dank einer Spende von Martin bekommen die anderen auch alle 500 Ksh damit sie sich was kaufen können. Ich dachte zwar an Socken und Sportschuhe aber, sie kommen ganz stolz mit Perlonkleidchen nach Hause. An Socken und Unterwäsche und anderen nützliche Dinge hat keiner gedacht. Klein Willy hat sich ein Koffer, Schuhe und eine Jeans gekauft (Ruth hat es ihm erlaubt. Ganz stolz zeigt er uns ihn.

Ich bin nicht begeistert, gerade die Boys haben genug Schrankfächer, aber er ist ja clever, einen Koffer braucht man nicht aufräumen. Mary hat sich von ihrem Patengeld Kleid, Schuhe und natürlich einen Regenschirm gekauft, nun wandert sie ganz stolz durch die Gegend.

Immer wieder fragen die Kids wann die Paten sie besuchen kommen. Die meisten wollen ihre Patenkinder besuchen, aber bei einigen müssen wir ganz schöne Ausreden suchen. (z.B. Steffie und Ruth.

Heute hat die Kochgruppe Hähnchen und Pommes gemacht. Puh war das eine Arbeit. Stundelang dauerten die Pommes (zum Schluss waren die Pommes verdammt matschig und fettig, aber die Hähnchen waren super)

 

Wir beschließen dass sie nur noch ganz normale Sachen kochen und lernen sollen. Alles andere werden sie später eh nie kochen. Heute feiern wir noch Fadhillis Geburtstag, er ist ganz aus dem Häuschen, schon sein 2. Geburtstag bei uns und erklärt uns dass er nie wieder von uns weg geht!

Im Hause wurde schon einige Male Geld geklaut. Diesmal fehlten täglich ein 50 Euro Schein. Nur drei Jungs wussten wo Helmut seine Tasche versteckt hatte. Nach zig Gesprächen waren wir uns sicher, wer es war und haben ihn am Sonntag wieder zu seiner Großmutter und Bruder zurück gebracht. Wir hörten von den anderen Kids das er mit den Älteren rumhängt.

Na toll, er wird für 50 Euro immer 50 Ksh bekommen haben, da er den Wert nicht kennt. Hat ihn aber auch nicht interessiert, geht eh lieber in die Bars als in die Schule. Nun sind zwei Jungenbetten frei.

Da Thomasina uns schon öfter gefragt hat ob wir ihren kleinen Bruder nicht auch holen können, werden versuchen den Bruder aus Garissa (am Tana River) zu holen.

Morgen gehen sie zum Papa Watatoto. Hanna will nicht mehr mitfahren und ihn abholen, als sie hörte, dass es in Garissa verdammt gefährlich ist. Selbst Harun will mit seinem Bus dort nicht hin fahren. Also mit öffentlichen Bus und bewaffneter Eskorte.

Die Fahrt dauert acht Stunden und sie wollen gleich wieder zurück, also nicht übernachten. Mal sehen ob es klappt. Er ist eben in einer islamischen Einrichtung, dort lernen sie nur den Islam aber keinen normalen Schulunterricht und Thomasina hätte ihn (ca. 6 Jahre) so gerne bei sich.

Für uns ist nun der letzte Tag gekommen. Mist. Bank, Post, Telefon und Gründstück wieder nichts erledigt. Seit heute haben wir aber nur noch eine kenyanische Praktikantin und ich hoffe, das sie Hanna und die Frauen gut unterstützen wird.

Das größte Problem im Haus ist ja der Platzmangel und jeder plundert rum, weil er außer einem Kleiderfach nicht eine kleine private Ecke hat. Nach dem Abendbrot kommt wieder mal ein herzergreifender Abschied.

Am Schlimmsten ist es für Seph, Tina, Willy, Tuma, Sanita und Thomasina.

Immer wieder erklären wir ihnen dass wir in sieben Wochen wieder da sind. Aber nein es ist ihnen zu lang, nach einer Woche sollen wir wieder kommen. Geht verdammt an die Nieren wenn alles herzergreifend weint und kein Trost hilft.

Thomasina steht nur neben mir und die Tränen kullern lautlos. Puh, sie hat mich wirklich ins Herz geschlossen. (ich sie aber auch!) Es hat keinen Sinn, ein kurzes „lala salama“ und wir gehen schnell zum Hotel. Hören die Kinder noch lange schluchzen und weinen, aber noch länger bleiben hätte die Lage auch nicht verbessert.

Am Montag um 05.00 h fahren wir noch einmal zum Haus um zu frühstücken. Hanna und Rama wollen uns zum Airport begleiten.

Hanna ist ganz aus dem Häuschen, endlich mal etwas anderes sehen, raus aus Kilifi, auf nach Mombasa. Als wir ins Auto steigen, stehen  wieder Fadhilli, Shuku, Dally und Thomasina weinend am Auto. Oh Shit, dachte die schlafen alle noch.

Sie  fühlen sind nun alle alleine gelassen und denken wir kommen nun nicht mehr wieder.

Als Abschluss kann ich dann nur noch schreiben:

Wir lassen Euch nicht ins Stich wir kommen bestimmt bald wieder!

Tutaonana baaday!

 

 

 

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